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Imageprobleme neuer Kaiser Mai 23, 2011

Posted by andrea schuetze in Antike, Medien.
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München, 23.05.2011, von Andrea Schütze

In der aktuellen Ausgabe der Acta Classica beschäftigt sich David Wardle, Professor für Classics an der Cape-Town University, mit dem frühen Vespasian. Dabei geht es ihm um die durchaus interessante Problematik der Imagepflege, die sich in der Beschreibung des Sueton aufschlüsseln lässt. Vespasian erlangte seine Position ja nicht aus dem Nichts heraus, sondern machte bereits unter der Herrschaft des julisch-claudischen Kaiserhauses Karriere. Der Zeitpunkt seiner Karriere unter Caligula bis Nero war angesichts deren schlechten Images in der Nachwelt und der Damnatio Memoriae, die über Nero verhängt worden war, aus rückblickender Perspektive nicht gerade günstig, so dass grundsätzlich eine Diskrepanz zwischen dem jungen Vespasian, verstrickt in das julisch-claudische System, und dem späteren auch noch posthum positiv wirkenden Image des Vespasian zu erwarten wäre. Wardle zeigt nun in seinem Beitrag auf, dass Suetion hier das Bild zu harmonisieren scheint, indem er Vespasian von den Negativa des julisch-claudischen Kaiserhauses distanziert, hingegen seine hervorstechenden Eigenschaften hervorhebt. Auf diese Weise werden der junge Vespasian und der alte Prinzeps in ihrem Bild miteinander harmoniert.

In der Beschreibung des Sueton fällt allerdings auch auf, dass der junge Vespasian von sehr viel Phlegma geprägt gewesen sein soll, so dass er gewissermaßen zur politischen Jagd getragen werden musste. Auch dies kann Teil einer späteren Distanzierungspolitik sein. Andererseits war – wie man auch später an Trajan sehr gut erkennen kann – der Anschluss an die vorangehende Dynastie auch zur Rechtfertigung der eigenen Machtposition mehr als erforderlich. Gegenüber alten, schon aus der Republik erwachsene Eliten konnten sich diese „neuen“ Kaiser, diese „principes novi“ (in Anlehnung an die den Römern eher vertrauten homines novi) nur durch starke Einbindung in ein vorgefundenes Herrschaftssystem legitimieren. Ihnen stellte sich – anders als den homines novi der Republik – allerdings das Imageproblem, nämlich dass sich ihre Machtposition nur daraus ergab, indem die vorangehende Herrschaft, die zwar zur Kontinuitäts- und Legitimationsanbindung wichtig war, ihrerseits gescheitert war. Für die Gestaltung des eigenen Herrschaftsimages, gerade in der fragilen Anfangsphase muss dies eine extreme Herausforderung bedeutet haben, genau den Mittelweg zu finden.

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