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Schöne Ferien !!! Juli 24, 2009

Posted by andrea schuetze in Allgemein.
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Hallo.

Das Semester neigt sich dem Ende zu und die letzten Arbeitstage stehen bevor. Die Lupa legt sich ein paar Tage in die Sonne und wird etwa ab Ende September wieder anwesend sein.

Ich wünsche allen, die meine Seite und diesen Blog besucht haben

Schöne Ferien

und

eine gesunde Heimkehr !

Viele Grüße und auf bald

Andrea Schütze

Unbedingt ansehen … Juli 24, 2009

Posted by andrea schuetze in Allgemein.
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Am 23.06.2009 schrieb ich den Artikel “Macht Bloggen unsterblich?” und habe darin über die Frage diskutiert, wie hoch die archäologischen Überlebenschancen für unsere Kultur sein werden.

Gestern kam bei Arte in der Sendung Xenius ein passender und sehr interessanter Beitrag. Bei Arte kann man ihn noch für sieben Tag angesehen, bevor er gelöscht wird. Sollte er in der Folgezeit bei einem der Videoportale erscheinen, werde ich ihn auf meiner Seite einpflegen.

Also unbedingt ansehen, es lohnt sich!

Hier nun der Link zur Sendung:

Arte Xenius 23.07.2009

Andrea Schütze, lupa-romana.de

RTL 2 : R O M – Deine Männer Juli 23, 2009

Posted by andrea schuetze in Allgemein.
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von Andrea Schütze, München 23.07.2009

Wer mehr über darüber wissen möchte, wie in ROM Männer entlarvt werden, sollte diesen Beitrag lesen…

Hier nun der angekündigte Folgebeitrag: Mehrfach wurde bereits angesprochen, dass in dieser ROM-Inszenierung andere Schwerpunkte gesetzt wurden, Personen und Sachverhalte in den Vordergrund treten sollten, die in vergleichbaren Produktionen sonst eher unberücksichtigt blieben. So sehen wir hier – anders als früher – eine deutliche Betonung des spirituell-religiösen Bereichs und stark gezeichnete Frauengestalten, die nicht mehr leidend oder liebend koexistieren, sondern handlungsbestimmend auftreten.

Was wurde aber aus den Männern in ROM?

Sie treten nicht weniger auf und doch erscheinen sie eigenartig, wie Titus Pullo, der immer wieder durch Charakterbrüche auffällt. Betrachten wir daraufhin die Männerwelt in ROM (sprich die Serie, nicht Historie) etwas genauer, lässt sich sehr schnell feststellen, dass diese Männer nach Kategorien geordnet und schematisiert werden können.
Die Männer ROMs sind also Typen.

Quelle: Youtube FernsehSerienAuf DVD

Typen? Haben wir nicht in der Neuzeit erst unsere Individualität, unsere Einzigartigkeit entdeckt? Wir sind nicht in Gefahr, keine Angst. Die Naturwissenschaften etwa auf dem Gebiet der Biologie machen es vor und der Mensch unterscheidet sich hier grundsätzlich nicht in der Art, dass er nicht kategorisiert werden könnte. Eine Erkenntnis mit der die bildenden Künste schon lange umgehen. Die Malerei beispielsweise ist voll davon. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst Leonardo da Vincis Charakterköpfe so einzigartig gar nicht sind, sondern immer wieder Details zitieren. Von Gemälden weiß man das ohnehin und kann dies auch leichter erkennen. In der Opernwelt werden Helden regelmäßig von Tenören gesungen, während dem Bariton bzw. Bass(bariton) eher die charakterlich finsteren Rollen zukommen. Auch in der Literatur erscheinen immer wieder Typen: Shakespeare war und ist einer der größten Dramaturgen ever. Seine Handlungen sind voll von schönen Sprachschätzen, tollen Geschichten und den schrägsten Gestalten, die man sich vorstellen kann und dennoch sind sie Typen.
Nicht anders verhält es sich hier und wer in seine Umwelt blickt, wird schell feststellen, dass es diese Typen auch dort durchaus zu entdecken gibt.

Bei der folgenden Einteilung beziehe ich mich hier auf die zweite Staffel, weil mir diese allein in besserer Erinnerung steht.

Kategorie 1: Die sogenannte „ehrenwerte Gesellschaft“ – Mafia
In diese Kategorie fallen die Aventinbrüder, die die ganzen Klischees aus Mafia-Filmen abspulen: Ehre, Familie, Schutz, eigene Regeln, brutalste Grausamkeit usw.

Kategorie 2: Die Aufsteiger (um jeden Preis?!)
Diese Gruppe ist schon wesentlich interessanter und ergiebiger. Man findet sie in seiner eigenen Umwelt häufig und leider oft in der Type, die man lieber nicht finden würde. Zu dieser Gruppe zählen Cicero, Marcus Agrippa, Maecenas und Posca, der Freigelassene von Caesar. Sie alle gehören in diese Kategorie, unterscheiden sich aber in ihrem Typus deutlich.

Was für eine Verwandlung: David Bamber als Cicero

Was für eine Verwandlung: David Bamber als Cicero

Marcus Tullius Cicero ist der Aufsteiger par excellence, der homo novus schlechthin. Wie in einem Beitrag zuvor besprochen, stellt ihn David Bamber händeringend dar, passend zum Typus Aufsteiger, der immer versuchen muss auf der richtigen Seite zu stehen, nicht zu sehr in den Schatten, in die Kälte zu geraten und immer besorgt ist, die richtige Strategie zu fahren. Das Bild des klugen Strategen ist daher durchaus richtig, aber – und darin unterscheidet er sich dann von allen anderen Aufsteigern dieser Gruppe – er gehört der Gruppe Mann an, auf die man zwar regelmäßig nicht zählen kann, weil regelmäßig etwas feige und daher auch regelmäßig etwas verachtet, aber die in Extremsituationen, wenn es wirklich darauf ankommt, mutieren und mehr unerwartete Männlichkeit zeigen, als die meisten anderen. Zugegebenermaßen ein recht seltener Typus Mann/Aufsteiger.

Marcus Agrippa - ein kalter Softie

Marcus Agrippa - ein kalter Softie

Marcus Agrippa ist der scheinbar brave und biedere Typ, eigentlich schon der Schwiegersohn-Typus und von einer so soften Art, dass ihn die Frauen lieben. Scheinbar ein Mann von der „festverzinslichen“ Sorte.  ABER… aber auch eiskalt, wenn es um seine Karriere geht und für den eine Männerbeziehung mehr zählt, als die zu einer Frau. Da muss dann eben ´mal eine Octavia weichen, obwohl er sie sicher aufrichtig liebt. Jedoch räumt er seiner Karriere und Freundschaft  zu Octavian/Augustus deutlich höhere Priorität ein. Zudem gefällt er sich im Kleid des edlen Biedermanns und versucht seine Kaltschnäuzigkeit moralisch zu bemänteln, wie etwa in der Küchenszene zwischen ihm und Octavia, als er ihr prompt das Ende ihrer Beziehung eröffnet. Das lässt diesen Softie in einem sehr unangenehmen Licht der Scheinheiligkeit erscheinen.

Maecenas und Posca - zwei Aufsteiger um jeden Preis

Posca und Maecenas - zwei Aufsteiger um jeden Preis

Dann kommen noch zwei weitere Aufsteiger, Maecenas und Posca, die man hier getrost zusammenfassen kann. Maecenas und Posca gehören zu den absolut charakterlosen Aufsteigern, die sich und jeden zu jedem Preis verkaufen würden, denen keine Schmierigkeit, keine Hinterhältigkeit, kein Verrat zu viel und zu schmutzig ist, um weiterhin wie die Natter am Busen von Marcus Antonius und Octavian liegen zu können, die aber – sollte sich der Wind einmal drehen – jederzeit bereit wären ihre „Loyalität“ (die sie bestens zu gaukeln verstehen) anderweitig/ gegenseitig, höchstbietend zu verkaufen. Mehr muss man dazu nicht mehr beschreiben.

Kategorie 3: „And Brutus is an honourable man…“ – die Anständigen
Das ist wohl die größte und typenreichste Gruppe. Zu ihr gehören Cassius und Brutus, Timon und Levi, Octavian/Augustus, Lucius Vorenus und Titus Pullo.

(v.l.n.r.) Cassius, Brutus, Levi, Timon - gefährliche Fanatiker

(v.l.n.r.) Cassius, Brutus, Levi, Timon - gefährliche Fanatiker

Cassius und Brutus haben mit Timon und Levi etwas gemein: Sie sind in ihren Überzeugungen gefährliche Fanatiker, die in ihrem Fanatismus bereit sind alle Grenzen zu überschreiten und selbst vor Mord grundsätzlich nicht zurückzuschrecken. Innerhalb dieser Gruppe gibt es sicherlich auch Differenzierungen, etwa Timon, der dann doch von der Ausführung ablässt bzw. bei Herodes und Servilia Skrupel zeigt (die man in der obigen Gruppe der Aufsteiger weitestgehend vermisst).
Brutus gehört sicherlich auch zu den Überzeugungstätern, der noch weiter zu gehen bereit ist als Timon, aber nach der Tat nicht die Konsequenzen tragen möchte und vor sich selbst Angst bekommt. Die Ideale (egal ob richtig oder falsch) sind jedenfalls größer als er selbst.

Lucius Vorenus - wenn Anstand zum Problem wird

Lucius Vorenus - wenn Anstand zum Problem wird

Lucius Vorenus ist, wenn man vom Kritierium des Anstands ausgeht, sicherlich der anständigste Mann unter allen. Nur wird hier seine hochstehende Moral negativ entlarvt. Er ist der typische Biedermann, der seine Frau nie betrügen würde. So erscheint es konsequent, dass er in der ersten Staffel das Werben Kleopatras ablehnt, als diese ihre „Babyfalle“ für Caesar aufbaut. Er bleibt seiner Niobe treu. Allerdings ist er von so hoher Moral durchsetzt, dass er schon als unerträglicher Eiferer erscheint. Niobe fürchtet ihn mehr als den Tod und bringt sich um, als er von ihrem unehelichen Kind erfährt (ein Abgesang auf das Schicksal vieler im 2. WK vermisster Kriegsheimkehrer, die vor ähnliche Probleme gestellt waren, weil ihre Frauen entweder durch Vergewaltigung im Krieg oder andere Beziehungen Kinder mit anderen Männern hatten). Er ist so übermoralisch, dass er nicht nur Schwierigkeiten hat dieses Kind zu akzeptieren, es ursprünglich sogar töten will, sondern seiner Tochter sogar zumutet, sich als „Hure“ zu outen, weil sie Zwangssklaverei und Zwangsprostitution erfahren hatte. Man lügt nicht und da spielt es auch keine Rolle, ob die Tochter damit alle Aussichten auf eine Zukunft als ehrbare Frau verliert.
Der „anständige Mann“ ist vielfach ein Wunschbild bei Frauen, jedoch wird in dieser Inszenierung die negative und durch Intoleranz unerträgliche bis gefährliche Seite des Anstandes aufgedeckt.

Titus Pullo - ein Frauentyp

Titus Pullo - ein Frauentyp ...

Noch mehr Frauentyp als Lucius Vorenus, Marcus Agrippa und Marcus Antonius dürfte Titus Pullo sein. Weil er Frauen gegenüber in der Rolle des soften, starken Beschützers erscheint – mutig und stark einerseits, sanft und lieb andererseits. Welche Frau möchte so etwas nicht?
Viel gemütlicher als Lucius Vorenus ist er bereit im Streit mit den Aventinbrüdern auch mal 5 gerade sein zu lassen und tritt Niobe und den Kindern gegenüber viel toleranter und wärmer auf – so herzlich, dass selbst Lucius Vorenus in Eifersucht gerät. Er ist auch deutlich mehr zur Treue bereit, wenn auch nicht allen „Anfechtungen des Fleisches“ gewachsen, wie etwa Vorenus. So zeugt er mit Kleopatra das Baby (Caesarion), mit dem sie Caesar zu fangen sucht, und betrügt seine schwangere Frau Eirene mit Gaia, weil diese wegen der Schwangerschaft abweisend ist. Im Großen und Ganzen bleibt aber sein Image dadurch weiterhin positiv, brav und bieder. Die Inszenierung ROM belässt es

... mit dunkler Seite

... mit dunkler Seite

nicht dabei und zerstört auch dieses Bild, denn der liebe Familienmensch Titus Pullo zeigt auch so ganz andere, hässliche Züge, die man so gar nicht verstehen kann und die in ihrer Unerklärlichkeit psychopathisch anmuten (siehe vorangegangene Artikel). Er wird damit ein zweigesichtiges Wesen wie Hannibal Lecter nur positiv beleuchtet. Das heisst während uns bei Lecter nur die hässliche Fratze vorgeführt wird und das freundlich-positive, kultivierte Bild im Hintergrund erscheint, findet bei Titus Pullo die Umkehrung statt: Er tritt freundlich und positiv in den Vordergrund, zeigt aber im Hintergrund seine schreckliche Fratze. Jedes dieser Bilder ist erschreckend.

Octavian/Augustus - ein eiskalter Rechner

Octavian/Augustus - ein eiskalter Rechner

Gleichfalls von hohen moralischen Grundsätzen erfüllt erscheint Octavian/Augustus. Er will immer alles regeln, stellt Grundsätze und Regeln auf, die keiner möchte und die er auf heuchlerischen Partys mit Vorträgen vor einer Art Frauenkomitee zu propagieren sucht. Er ist ein typischer Prinzipienreiter, absolut korrekt, taktisch, aber trotzdem bündnistreu, eiskalt und ohne innere Regungen, von Octavia kurz und knapp als „Arsch“ charakterisiert. Zu einer so verklemmt beschriebenen Gestalt scheint es dann auch zu passen, dass er nicht nur zu Octavia inzestuöse Gefühle entwickelt, sondern gegenüber Livia seine geheimen Bedürfnisse äußert, sie ab und zu `mal ein bisschen schlagen zu wollen, vielleicht auch `mal mit einer kleinen Peitsche etc… Augustus als Anhänger der SM-Kultur.
Mir persönlich gefiel zwar die Erstbesetzung mit Max Pirkins besser, weil er ihn taktischer, klüger und überlegter zeigte, doch kann auch der ältere Octavian durchaus punkten. Seine starre Kälte wird von der Kamera sehr gut eingefangen und daher ein Lob an die Inszenierung dieses Klischees. Beobachtet man einmal die Beleuchtung und die Kamerawinkel in denen Augustus gefilmt wurde, dann fällt auf, dass stets seine starren Augen (teils auch seine starre Körperhaltung) ins Visier geraten. So sieht man ihn hauptsächlich von der Seite im Schlaglicht aufgenommen, das seine Augen noch blauer, kälter und v.a. gläserner wirken lässt, als wäre er kein Mensch, sondern ein Roboter. Eine raffiniert geführte Inszenierung.

Kategorie 4: Marcus Antonius – der Wahrhaftige

Marcus Antonius - begabter und tragischer Held

Marcus Antonius - begabter und tragischer Held ?

Identifikationsgestalt für viele Männer (ich kann mir hier durchaus einige vorstellen) ist sicherlich Marcus Antonius. Wenn nun schon die Aufsteiger und noch mehr die Anständigen negativ entlarvt wurden, was soll dann noch von ihm, dem Trunkenbold und Schürzenjäger der Geschichtsüberlieferung übrig bleiben? Muss er mit diesem Image nicht total vernichtet werden?
Lenkt man den Blick allein auf ihn, dann erscheint er wenig anziehend: Er rüpelt, säuft und hurt, dass es schon ein Graus ist, ein Mann mit gigantischen Fehlern, Ecken und Kanten.
Seine Andersartigkeit tritt hervor, wenn man ihn mit den anderen Männer-Typen vergleicht. Anders als Cicero versucht er seine Gefühle und Einstellungen nicht in wohlgesetzten Worten zu verbrämen. Er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: Wen er nicht mag, den mag er nicht und das zeigt er auch ganz offen. Im Prinzip ist das eine Form von Ehrlichkeit.
Dennoch ist er kein Dummkopf, der sich blind davon bestimmen ließe. Auch er hat – wie Octavian Maecenas – an seinem Busen die Natter Posca hängen, doch ist er eher in der Lage diesen zu durchschauen und in seine Schranken zu weisen, als Augustus. Er mag Cicero ganz offen nicht, aber er ist durchaus klug und Politiker genug, dass er bereit wäre mit diesem zu kooperieren, um seine Fähigkeiten zu nutzen. Er kann mit anderen, auch wenn er sie nicht mag, weil es für das Projekt von Vorteil ist.
Im Unterschied zum übermoralischen Lucius Vorenus ist er auch in der Lage Fehler zu übergehen. Trotz Lucius Vorenus´ Versagen und der dafür angekündigten Konsequenzen nimmt er ihn mit in den Osten des Reiches.
Anders als Octavian, der sich später gleich im Dreifachtriumph feiern lassen wird,  bleibt er in der Schlacht von Philippi nicht hinter den Schlachtreihen stehen, sondern reitet selbst in die Schlacht. Anders als Octavian, der sich später als Friedensfürst stilisiert, initiiert er nicht die Proskriptionen. Anders als Octavian versteht er es nicht sein Handeln raffiniert zu bemänteln und lässt sich bei seinen Deals, wie etwa dem unterschlagenen Schmiergeld des Herodes, erwischen.
Anders als Octavian und Caesar schlägt er keine Frauen (wie Caesar Servilia) und trägt auch kein entsprechendes Bedürfnis in sich (wie Octavian bei Livia), selbst dann nicht, wenn er geschlagen wurde (wie durch Kleopatra).
Anders als Octavian und all die anderen „Aufsteiger“ und „Anständigen“ besitzt er eine Achillesverse und die besteht in seinen Trieben. Er hat so viel Größe, Talent und Klugheit, die ihn eigentlich zum besseren Staatsmann machen würden (als Octavian/Augustus). Aber auf diesem Sektor scheint er blind und dumm zu sein, schlimmer noch, er ist dadurch den Frauen und ihrer sexuellen Macht ausgeliefert. Wie in der Realität, wird auch dem Serien-Marcus-Antonius der Hang zu den Frauen zum Verhängnis. Über die realen Beziehungen wissen wir nichts, kann nur im Nebel gestochert werden. Im Film jedenfalls verhält es sich so – und das durchaus nicht fern jeglicher Realität – dass er mit seiner Triebsteuerung den Blick für die Zusammenhänge verliert. Kleopatra erscheint hier als absolut berechnende Frau, die zum Aufstieg ihren Körper einsetzt. Als beim alternden Caesar, der in Sexrausch verfiel (und daraufhin auch Servilia schlug), keine Kinder entstanden, musste Titus Pullo aushelfen, um die Babyfalle zuschnappen zu lassen. Das gleiche Schema wird sich in den letzten beiden Teilen dann auch bei Marcus Antonius wiederholen und seinen Untergang besiegeln.
Als einzige ohne Hinterhalt liebt ihn Atia, „unser altes Mädchen“, wie sie Maecenas auf der Hochzeit der Octavia bezeichnet hat. Sie liebt ihn so wie er ist mit Ecken und Kanten und sieht über alle seine Fehler und Eskapaden hinweg. Sie ist auch jene, die uneingeschränkt auf seiner Seite steht, selbst gegen ihren Sohn. Ihr Potential hat in der Serie der gefühlskalte Octavian erkannt und verhindert ihren weiteren Kontakt. Marcus Antonius, der ihr zum Abschied nur ein (typisch Mann) leichtfertiges Versprechen gibt, sie nachkommen zu lassen, das sie (typisch Frau) dummerweise glaubt, erkennt das nicht und reist in seinen Untergang ab.

Derjenige, der im Vergleich mit allen anderen Typen und trotz seiner eigenen riesigen Fehler, die besten Fähigkeiten und Eigenschaften mitbrächte, wird am Ende an sich selbst scheitern – wie ein tragischer Held.

Was zeigt die Zusammenschau?

Eines erscheint sich klar abzuzeichnen: Die Gunst von Regie und Drehbuch liegt eindeutig auf Seiten des Marcus Antonius, der uns als einziger am wenigsten klischeebehaftet und am stärksten von menschlichen Schwächen durchsetzt erscheint. Wie ich bereits aufführte, zeigt uns diese Serie sehr viele unterschiedliche Männer-Typen, von denen keiner so fehlbar und kantig ist, wie Marcus Antonius. Die Serie zeigt aber auch, dass gerade diese „guten“ Männer, die regelmäßig im Wunschbild der Frauen stehen, viel dunklere und schrecklichere Seiten haben, als dieser raue Klotz Marcus Antonius.
Ich denke nicht, dass meine Beobachtungen reiner Zufall sind, sondern hinter den Einschaltquoten heischenden Sex-und-Gewalt-Knallern ein durchaus intelligenter Figurenaufbau zugunsten von Marcus Antonius erkennbar wird. Eigentlich ein schönes Plädoyer…

Andrea Schütze, lupa-romana.de

Weitere Links:
Die Charaktere bei Wikipedia:
Cicero
Agrippa
Maecenas
Posca

Brutus
Cassius
Octavian/Augustus
Lucius Vorenus
Titus Pullo
Marcus Antonius

Lupa Romana Blog down Juli 23, 2009

Posted by andrea schuetze in Allgemein.
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Der Blog auf meiner homepage lupa-romana.de
ist wegen eines Serverumzuges derzeit nicht im Netz.
Der Vorgang soll bis zum Wochenende abgeschlossen sein.

Viele Grüße
Andrea Schütze

RTL 2 : R O M – Atia von den Juliern, ich fordere Gerechtigkeit! Juli 20, 2009

Posted by andrea schuetze in Antike, Medien.
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von Andrea Schütze, München 20.07.2009

Friedhof bei Nacht

FRIEDhof bei Nacht

Noch zwei Folgen … und dann ist Schluss. „Endlich“ sage ich nicht, denn es geht einem hier wie bei allen Soaps: Zu Beginn findet man sie teilweise fürchterlich blöde und eigentlich ändert sich das auch nicht. Aber wenn man ihnen länger ausgesetzt ist, fängt man an sich abzufinden und sich an sie zu gewöhnen. Meiner Meinung nach ist das auch die einzig richtige Haltung, es als eine Geschichte, aber nicht als die Geschichte zu sehen, so wie sie oft – und dies sicherlich nicht zu Recht – fälschlicherweise angepriesen wird. Hieran Kritik zu üben erscheint müßig und dazu mögen die vorangegangenen Beiträge etwas aussagen.

Betrachten wir es als eine Geschichte, dann hatte die gestrige Folge durchaus einige interessante Momente zu bieten.
Eine große Rolle kam in dieser Folge dem Tod zu, der in einigen Passagen wirklich gut beobachtet und durchdacht erscheint.
Schön war zunächst einmal die Szenerie, als der Goldtransport (vor dem Überfall) an den Gräbern vorbeigezogen ist. Mir gefiel das deshalb, weil hier in deutlicher Abweichung von heutigen Filmdarstellungen der Friedhof nicht als Ort des Grauens präsentiert, sondern die an diesen Orten real existierende, eigenartige Stimmung sehr gut eingefangen wurde. Wer sich schon einmal nachts auf einem Friedhof aufgehalten hat, der wird eine eigenartige Feststellung machen: Vor diesem Erleben meint man zunächst „Friedhof, Nacht…“ und denkt an alle möglichen Gruselgeschichten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wenn wirklich finstere, schwarze Nacht herrscht, die einem nicht die Hand vor Augen sehen lässt, wird der Friedhof durch ein Lichtermeer aus kleinen Kerzen erfüllt, die ihn nicht erhellen, die der Nacht aber ihren Schrecken nehmen, denn sie ermöglichen mit ihrer kleinen flackernden Flamme (die einzige) Orientierung und verströmen damit Frieden. In diesem Sinne war diese Szene sehr gut eingefangen. Denn die Angehörigen des durchziehenden Goldtransportes fühlten sich dort gleichfalls nicht unsicher.

Tod der Eirene/Irene (Filmszene ROM)

Tod der Eirene/Irene (Filmszene ROM)

Auch der Tod der Eirene/ Irene fällt durch eine sehr gute Beobachtungsgabe auf. Ich denke hier nicht an die Sterbeszene also solche, die im typischen Klischee mit Abschiedsrede etc. ablief, sondern an den Moment des Todes. Im Unterschied zur Todes-Szene bei Servilia trat bei Irene auf einmal das ein, was man als „gebrochene Augen“ bezeichnet.  Wer gebrochene Augen einmal im Original gesehen hat, wird sie nicht mehr vergessen. Es handelt sich dabei nicht einfach um einen starren Blick, sondern sie zeigen ein Verlöschen, als würde ein Licht ausgehen.

Quelle: youtube firstlobster

Nicht im Tod, aber in der Vorstufe dazu glanzvoll verlief der letzte Akt der Servilia. Was hat diese Frau in der Serie nicht alles erdulden müssen und dann der Schluss:

„Atia von den Juliern, ich fordere Gerechtigkeit !“

Wie eine Rachegöttin oder eine der Nornen saß sie da vor dem Haus auf der Straße und setzte die einzige Waffe ein, die ihr noch blieb – den offenen Fluch und seine psychologische Wirkung. Dass es der Servilia damit sehr ernst sein musste und sie darin nicht (allein) einen strategischen Akt, sondern eine Glaubenshandlung sah, kann man mit Blick auf die erste Staffel erkennen, als sie im Geheimen damals schon Caesar mittels bleierner Fluchtäfelchen den Rachegöttern anvertraut hatte. Die hier sitzende Servilia will nicht skandalträchtige Öffentlichkeit erregen, sondern ruft in vollster Überzeugung die Rachegötter an und greift als Machtlose zur einzigen Waffe, die ihr in ihrer Hilflosigkeit noch verblieben ist: Fluch!

Quelle: Youtube Sharmelli
Der so Verfluchte nimmt das zunächst nicht ernst (obwohl alle hier recht betreten dreinblickten), versucht es als Humbug abzuschütteln. Die besondere Psychologie des Fluches beginnt sich aber erst im Laufe der Zeit zu entfalten und davor ist dann auch der „moderne“ Mensch nicht gefeit. Zunächst erscheint es lächerlich, weil ja nichts passiert, kein Blitz, der einen in den Erdboden rammen würde, nichts. Doch wenn dann im Laufe der Zeit irgendetwas schiefgeht, wie beispielsweise bei Atia, die dann – wider ihrem Erwarten – nicht Marcus Antonius heiraten kann, sondern zusehen muss, wie ihre Tochter Octavia dieses Unglück hat, das für sie das höchste Glück gewesen wäre; dann kommt der Fluch hoch, dann fallen die Worte des Fluchsprechenden ein. So war es auch gestern sehr schön zu sehen, als Atia in ihrem tiefen Liebeskummer vor das Haus tritt und erneut die Worte der Servilia anklingen. Das sind wunderbare Szenen, psychologisch fein beobachtet und durchdacht. Ganz anders als der ewig gleiche Ballast aus Gewalt und Sex.

Eine dieser überflüssigen, weil einfallslosen Gewaltszenen bot Titus Pullo, indem er beim Auftakt des Kampfes der Aventin-Brüder seinem Gegner die Zunge herausbiss.

Quelle: Youtube wotansson

Die Szene ist insofern einfallslos, weil sie ein Zitat von Hannibal Lecter darstellt. Im ersten Teil „Das Schweigen der Lämmer“ wurde diese Szene im Zusammenhang mit den Wachleuten verfilmt (und ich glaube es gibt auch in “Hannibal” eine noch treffendere Parallele).

Quelle: Youtube FREAKSmoviereviews

Der Realismus solchen Handelns ist nicht abzustreiten, wie überhaupt Hannibal Lecter aus realistischen Tat-Elementen verschiedener Psychopathen aufgebaut ist, was man im Buch „Die Seele des Mörders“ von Mark Olshaker nachlesen kann. Antike Kriegsbilder (i.w.S.) stehen in ihrer expressiven Gewaltdarstellung diesen Grausamkeiten sicherlich in nichts nach, dennoch dürfte hier ein nicht unbedeutender Unterschied bestehen: Titus Pullo greift zu dieser Handlung nicht im Kampfgeschehen , sondern eröffnet damit den Kampf.
Dass dahinter Methode stecken könnte, wird der folgende Beitrag zeigen.

Andrea Schütze, lupa-romana.de

RTL 2: R O M – Ciceros Pfirsiche und der Preis des Einzelnen Juli 14, 2009

Posted by andrea schuetze in Antike, Aufreger, Medien.
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von Andrea Schütze, München 14.07.2009

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Diesen Beitrag betrachte ich als kleinen Annex zur weiteren Rom-Folge am vergangenen Sonntag, die – verglichen mit dem Auftakt am Wochenende zuvor – schon fast auffallend zurückhaltend ausfiel.
Hatten wir es beim Auftakt noch mit fiktiver Gewalt in schlimmster Ausprägung zu tun, so blieben die Szenen der Schlacht von Philippi ohne den wahren Schocker, den realer Krieg zu bieten hätte und der in zahlreichen Historienfilmen (Alexander, Gladiator, Heinrich V.) szenisch sehr effektiv umgesetzt wurde. Gewissermaßen als Mahnung zum Frieden im Sinne Herodots, der dem Perserkönig Kouros in den Mund legte, dass es wohl keinen gäbe, der im Anblick der Schrecknisse eines Krieges so dumm wäre, den Krieg dem Frieden vorzuziehen. Nein, ermahnt wurden wir hier nicht. Und möglicherweise sollten beim Zuschauer auch nicht zu viele Gedanken darüber angeregt werden, denn zu viel Kriegsrealismus in den Bildern – das haben die berühmten Vietnam-Bilder und die von ihnen angeheizte Folge der Friedensbewegung gezeigt – könnte leicht die Kriegsbereitschaft unter den Zuschauern schmälern.

Auch die Proskriptionen, die sicherlich zu Roms dunkler Seite gehören, verliefen nicht mehr als in Andeutung und dem aufgelösten Schreien der vergewaltigten Iokaste, die bei ihrer Freundin Octavia Schutz suchte. Nein, darüber erfahren wir nichts, obwohl gerade hier die Quellen Auskunft gegeben hätten…
Doch halt, ein Proskriptions-Fall wurde dem Zuschauer vorgeführt, gewissermaßen als eine Art “pars pro toto”:

Die Ermordung des Marcus Tullius Cicero.

Cicero wird in dieser Serie von David Bamber dargestellt, der sich im Verlauf beider Staffeln wirklich sehr positiv entwickelt hatte. War der Auftritt in der ersten Staffel noch sehr farblos, so zeigte Bamber in der zweiten seine Fähigkeiten vor der Kamera durchaus feinsinnig zu charakterisieren, auch wenn ich mir Cicero immer noch anders vorstelle. Dass man sich das auch durchaus anders vorstellen darf, belegt die Tatsache, dass hier die “Geschichte” nicht ganz richtig erzählt wurde:
Zutreffend ist, dass Cicero das “persönliche” Opfer Marcus Antonius´ war und damit ganz oben auf der Proskriptionsliste stand. Aber sonst kommt hier einiges nicht mehr so ganz real herüber. Cicero saß nicht im Garten unter Pfirsichbäumen, als Sklaven herbeiliefen und ihm meldeten, dass vor dem Tor Bewaffnete stünden, die es wohl auf ihn abgesehen hätten, so dass er erst im Pfirsichgarten von seinem Schicksal erfuhr und dann in wahrer Todesverachtung die Flucht verschmähte, um noch schnell einen Brief an Brutus zu schreiben. Um diesen historischen und menschlichen Unsinn des Drehbuchs wieder herauszuschreiben, ließ dann später der Bote vor lauter Schreck über den barschen Lucius Vorenus die ihm bei seinem Leben anvertraute Schriftrolle fallen. So ein Pech und was für ein Glück für die Drehbuchschreiber…
Kehren wir von dieser schlechten historischen Erfindung zu Cicero zurück. Der saß also nicht im Pfirsichgarten, als Titus Pullo gelegentlich einer Landpartie hereinschneite und ihm erklärte, dass er ihn jetzt töten müsse und ob er noch „ein paar Pfirsiche für die Frau“ nehmen dürfe, die ihm Cicero dann auch noch großzügig überließ, der sich dann beim Anblick eines Adlers seinem Schicksal fügte, das – wie ich durch die vorgehaltenen Finger sah – ausgeblendet wurde.
In Wirklichkeit wusste Cicero natürlich schon vorher, dass er in Lebensgefahr schwebte und wollte zusammen mit seinem Bruder Quintus und dessen Sohn nach Griechenland fliehen. Sie waren also auf der Flucht und keiner saß im Pfirsichgarten und pinselte noch schnell ein paar Briefe. Das vereinbarte Treffen scheiterte, weil Bruder und Neffe zuvor schon durch den Verrat eines Sklaven (den übrigens Ciceros Schwägerin später folterte) den Häschern in die Hände gefallen und ermordet worden waren. Cicero unternahm dann allein den weiteren Fluchtversuch. Eine Flucht nach Capri scheiterte, denn ungünstige Winde hinderten ihn an der Überfahrt. Wie groß die Gefahr wahrgenommen wurde, kann man daran ermessen, dass man Seefahrt im winterlich stürmischen Mittelmeer als eine lebensgefährliche Unternehmung  ansah und man es aber trotzdem versuchen wollte. Und so floh er weiter und man stellte ihn schließlich am Strand bei Formiae, getragen von seinen Sklaven in einer Sänfte. Diese wollten ihn verteidigen, was sich für gute Sklaven gehörte und für den Dominus sprach, dem sie trotzdem ihre Loyalität bewiesen, obwohl hier beste Gelegenheit zum Abfall gewesen wäre und von anderen Sklaven anderer Herren auch genutzt wurde. Cicero untersagte ihnen aber einen Kampf und fügte sich in sein Schicksal, indem er sich aus der Sänfte lehnte, so dass man ihm den Kopf und später auch die Rechte (nicht beide Hände) abschlug. Der Kopf wurde auf einer Lanze aufgespießt an den Rostra ausgestellt und die rechte Hand angenagelt.
Was in der Rom-Staffel nur als primitive Gewalt herüberkommt, hatte in der Realität durchaus Symbolcharakter, denn die rechte Hand sollte das Schreiben der Philippischen Reden gegen Marcus Antonius versinnbildlichen. Wenn gemordet wurde, dann durchaus mit Anspruch, was hier von den Machern dieser Rom-Staffel offenbar nicht erkannt worden war. In diesem Kontext ist auch das gleichfalls überlieferte Durchbohren von Ciceros Zunge am abgeschlagenen Schädel mittels Nadeln zu verstehen, das von der in der Rom-Staffel noch vollkommen unerwähnt gebliebenen Ehefrau des Marcus Antonius, Fulvia, ausgeführt worden sein soll. Man sieht in der Überlieferung deutlich mehr und schockierendere Gewalt, als diese äußerst schwache Adaption. Das vielfach zu lesende und geäußerte Lob über diesen Realismus gerade im Hinblick auf Gewalt, kann hier mitnichten unterstützt werden. Die in dieser Rom-Staffel präsentierte Gewalt ist immer wieder in wichtigen Szenen ohne historischen Beleg und verkennt dann zudem den Hintergrund: Gewalt ist eben nicht gleich Gewalt.

Absolut unerklärlich bleibt auch Titus Pullo, der nach seiner Bluttat mit Hand und Pfirsichen (?), Hand oder Pfirsichen (?) im Lederbeutel (eine Frage, die ich nicht beantworten konnte) vergnügt zur Landpartie und dem allgemeinem Picknick zurückkehrt und dem Lucius Vorenus erklärt, dass der Cicero eigentlich schon ganz nett war, überhaupt nicht arrogant oder so…
Da fragt man sich als Zuschauer: Wer ist eigentlich der größere Psychopath, der in dieser Rolle erfundene Titus Pullo, der vergnügt mit Pfirsichen und Cicero im Lederbeutel eine Landpartie unternimmt oder der echte Catilina, ein Mörder aus einer früheren Proskriptionswelle (unter Sulla), der mit dem blutigen Kopf des Marcus Marius Gratidianus (übrigens auch ein Verwandter von Cicero) durch Rom lief und sich die blutverschmierten Hände im Weihwasserbecken des Apollon wusch?

Die Antwort ergibt sich vielleicht, wenn man auf den Preis sieht, den beide Männer hatten. Catilina wurde reich und mächtig, Titus Pullo tut es für ein paar Pfirsiche und v.a. als Freundschaftsdienst  gegenüber Lucius Vorenus, der aus lauter Respekt gegenüber Cicero das Plündern verboten hatte. Damit ist diese Frage wahrscheinlich schon weitestgehend beantwortet, aber sie macht weiter nachdenklich, weil sie so viel Wahres hat…

Wenn ich in mein Umfeld blicke, dann fällt mir bei diesem Bild auch der ein oder andere ein, der zu niedrigem Preis bereit ist/wäre, Vertrauen zu mißbrauchen und selbst langjährige Weggefährten zu verraten. Und wofür? – Für ein bisschen Gunst, für ein bisschen Geneigtheit eines Mächtigen.
Kehren wir anlässlich dieser Gelegenheit noch einmal zu Cicero zurück: Juristen und Kaufleute haben ihren Preis, weil sie Dienstleister sind, sie müssen handeln können und müssen mit anderen und nahezu jedem können können, weil sie sonst in ihrem Fach vollkommen ungeeignet wären. Das macht sie zu Profis. Aber sie verkaufen sich nicht zu jedem Preis und schon gar nicht billig, wie der Fall Cicero zeigt.
Cicero wurde von vielen Historikern, die keine Juristen und Kaufleute sind, dafür gescholten, dass er so biegsam war, so anpassungsfähig und sich sogar einmal überlegt hatte Catilina (den Verwandtenmörder) zu verteidigen, gegen den er später seine berühmten vier Reden verfasste. Was gibt es hierzu nicht alles zu lesen. Und auch als politisch engstirnig und geradezu dumm wurde er gescholten, weil er das intensive Werben Caesars um Teilhabe an der Macht am Ende ausgeschlagen hatte, obwohl dieser Preis für einen Cicero sicherlich verdammt hoch war – und wahrscheinlich die Verführung für ihn sehr groß, aber er hat es nicht getan.
David Bamber hat ihn im Duktus dieses historischen Verdikts nach Art der händereibenden Krämerseele interpretiert und das ist eben gerade nicht korrekt.
Cicero war als Anwalt und Politiker anpassungsfähig und konnte mit vielen, weil sonst Kooperation und Konsens nicht möglich gewesen wären und damit erst recht Engstirnigkeit und Dummheit herrschen würden, die in nichts anderem als Konflikt und Krieg münden würden.  Aber Cicero war nicht käuflich. Man konnte ihn „für Dienste bezahlen“, wo es um die ein oder andere Gefälligkeit ging, eine Verteidigung hier, eine Lobrede da und wohl nicht zu wenig auch gegen innere Überzeugungen. Jedoch Cicero war nie bereit beanspruchtes Vertrauen und Überzeugungen zu verraten, schon nicht in jungen Jahren in der lebensgefährlichen Verteidigung des Sextus Roscius aus Amerino, nicht auf seinem Zenit als Caesar mit der Macht über Rom winkte und auch nicht im Alter, als er die Philippischen Reden gegen Marcus Antonius verfasste, die ihm dessen unverwüstliche Feindschaft einbrachten.

Ciceros Preis war höher als Gunst und Pfirsiche, denn er hatte keinen.

Andrea Schütze, lupa-romana.de

RTL 2: R O M – Hier bekommen Sie Gewalt in allen Schattierungen Juli 12, 2009

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von Andrea Schütze, München 12.07.2009

Hier bekommen Sie Gewalt in allen Schattierungen…
Dies scheint wohl eine der treffendsten Charakterisierungen für die zweite Staffel R O M zu sein, die RTL II seit letztem Wochenende ausstrahlt. Mit Blick auf die schon im Vorfeld der zweiten Staffel geäußerten Zweifel kann gesagt werden, dass der Auftakt dieser neuen Staffel die gehegten “Befürchtungen” noch zu überbieten imstande war. Denn die Art und Weise, in der römische Geschichte kopulierend, rüpelnd und prügelnd  als ein einziger Eintopf aus Sex und roher Gewalt am Zuschauer vorbeizieht ist durchaus von “ausgesuchter” Art.

Blicken wir zunächst auf die Betonung der Sexualität. Es trifft sicherlich zu, dass das antike, vorchristliche Verhältnis zur Sexualität ein anderes war, als das durch das Christentum geprägte. Dennoch gab es auch hier – entsprechend heutigen (allerdings nicht parallelisierbaren!) Verhältnissen – durchaus unterschiedliche Vorstellungen vom Umgang mit diesem Thema.
Ein Beispiel zur Illustration: Wenn junge Männer bei den Lupercalien nackt durch Roms Straßen liefen und die Frauen mit Rutenbündeln schlugen, dann war das sicherlich kein Stein des Anstoßes, sondern war durchaus gewünschte Tradition, die Fruchtbarkeit versprach – ein lebenswichtiges Momentum in einer Gesellschaft mit hoher Kindersterblichkeit. Übrigens ist diese Tradition auch und gerade im Zusammenhang mit Marcus Antonius überliefert, was mir allerdings in der gesamten Serie entweder entgangen ist, oder überhaupt gefehlt hat. Hierzu gleich weiter.

Sicherlich gab es auch Exzesse und Sexorgien von denen in den Quellen immer wieder die Rede ist und im politischen Umgang war das Zielen unter die Gürtellinie auch ein gängiges Mittel. Dennoch fällt dabei auf, dass die Römer (trotz Freizügigkeit) durchaus eine deutlich erkennbare Art von Prüderie gezeigt haben, die es einem Senator als verpönt erscheinen ließ, seine Frau in der Öffentlichkeit zu küssen. Es zeigt sich damit ein gewisser ambivalenter Umgang mit dem Thema der Sexualität, der nicht notwendigerweise mit jenem unserer Prüderie und Freizügigkeit verwechselt werden darf. Denn wie es möglicherweise einem Cicero – aus eben erwähnten Konventionen – unmöglich erschienen wäre seine Frau Terentia in aller Öffentlichkeit zu küssen, so war es ihm andererseits nicht unmöglich in seinen veröffentlichten Schriften immerhin den Begriff des “coitus interruptus” zu prägen (Der Fall der Tamar aus der Genesis hingegen, die keine Kinder bekam, weil sich ihre Männer stets zeugend verweigerten, ist aus christlicher Sicht diametral als “Sünde” zu sehen).

In der zweiten Staffel R O M hingegen fällt auf, dass man diese Ambivalenz vergeblich sucht. Schon beinahe inflationär fällt das Wort f***** und seine Begleiter und alles erscheint ein einziger Haufen von Sexsüchtigen zu sein, die ohne tiefere Zuneigung lediglich ihrem Triebstau verfallen sind. Das allein als Rom auszumachen, erscheint m.E. aber deutlich zu oberflächlich und zu sehr auf eine Effekthascherei gegenüber einem an „Sex and Crime“ interessierten Publikum. Interessanterweise fehlen aber in dieser US-Produktion andererseits gewisse nackte Tatsachen. Man hört zwar vom “allzeit bereiten” Marcus Antonius, dass er nicht aufstehen möchte bevor er nicht eine Frau richtig gef**** hat, so dass die “germanische Schlampe” aus der Küche geholt werden muss, man sieht ihn neben Cicero, der gerade Wein trinkt, in ein Blumengefäss urinieren und seinen Urin auch in Ciceros Becher hineinspritzen, als er sich den Urin abschüttelt, aber andererseits sieht man von diesem rüpelhaften Sexmonster Marcus Antonius nicht mehr als den nackten Hintern und das auch nur für ein paar Sekunden. Dazu passen auch die fehlenden Lupercalien, die ihn gezeigt hätten. Diese beiden Szenen gehören sicherlich zu den Glanzlichtern im Ekelbild um Marcus Antonius. Wie ich im vorangegangenen Bericht bereits anmerkte, ist an diesem Bild aber zutiefst Zweifel zu hegen, nur scheint das nicht im Sinne der historischen Umsetzung durch das Produktionsteam gelegen gewesen zu sein.
Dass freie Sexualität nicht notwendigerweise gefühllos zu sein braucht, erscheint hier eine Fehlanzeige zu sein.

Auch an Gewalt fehlt es dieser Staffel nicht. Doch auch hier erscheint wieder vieles rein effektbedacht. So werden dem Zuschauer geradezu viehische Folterszenen präsentiert, die selbstverständlich auch hier mit Sex gepaart sind, wie die Vergewaltigung von Servilia vor ihrer Folter durch Atias Folterknecht oder die Vergewaltigung eines Mafiosi, der zugleich kopfüber in eine Latrine getaucht wird. Wirklich sehr einfallsreich…
Andererseits findet man nicht die schonungslosen Grausamkeiten des Krieges, wie sie beispielsweise im Film “Alexander” und in Ansätzen auch im “Gladiator” in ihrer ganzen unvergesslichen Schrecklichkeit  den Zuschauer zu schockieren verstehen. Hier ist die Schlacht schon vorüber. Realistische Gewalt und Grausamkeit werden zugunsten von Effekten beim (lüsternen ?) Publikum ausgeblendet.

Die Handlung als Ganzes betrachtet ist ein wahres Durcheinander aus Sex, Gewalt und Grausamkeit, in Einheit mit den bekannten Elementen aus Mafia-Filmen und Seifenopern. Es war ein  Ziel der Urheber Personen in den Vordergrund zu rücken, die sonst von der Geschichte weitestgehend unberücksichtigt bleiben. Die ist sicherlich grundsätzlich löblich, doch sollte es nicht auf Kosten des Handlungszusammenhanges gehen.
Um was es in dieser Zeit eigentlich ging, vor welchem Hintergrund sich diese publikumswirksamen Exzesse abgespielt haben sollen und wo sie einzuordnen wären, geht in dem ganzen Durcheinander unter.

Die zweite Staffel bleibt mit dem, was sie bisher zu bieten hatte, weit hinter der ersten und noch weiter hinter anspruchsvoller Geschichtsumsetzung zurück und darüber können auch sieben Emmys nicht hinwegtäuschen.

Andrea Schütze, lupa-romana.de

RTL 2: R O M – „Mark Anton wollte nur eines – lasst uns Spass haben“. Im Vorfeld der zweiten Staffel Juli 3, 2009

Posted by andrea schuetze in Medien.
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von Andrea Schütze, München 03.07.2009

Morgen startet bei RTL II um 20.15 Uhr die zweite Staffel ROM.

Zwecks besserer Einschaltquoten hatte man den Sendetermin verschoben. Allerdings bietet RTL II auf seiner Homepage ein etwas mageres Angebot, das zur Einstimmung dienen könnte. So findet sich neben einem Trailer für die zweite Staffel lediglich eine Kurzbeschreibung und eine Bildergalerie, die sich beide auf die erste Staffel beziehen. Den Eindruck unverwechselbarer Unvergesslichkeit, der gerade Filmbildern oft anhaftet, kommt hier nicht auf.
Dies dürfte allerdings weniger an dem fehlenden medialen Gespür, als an dem in summa doch blass gebliebenen Eindruck liegen, den die erste Staffel der Serie im filmischen Langzeitgedächtnis hinterlassen hat (auch wenn ich hier einer beispielsweise bei youtube erkennbaren und mit viel Liebe und Aufwand tätigen Fangemeinde widersprechen dürfte).

Gerade Serien bieten eine große Möglichkeit der dramaturgischen Entwicklung von Figuren. Vergleicht man allerdings die erste ROM-Staffel mit der noch
Studioatmosphäre atmenden Serie „I Claudius aus den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, so bleiben trotz hohen Aufwands, der gerade im Hinblick auf Detailrealismus betrieben wurde, viele wichtige Figuren in ROM dahinter zurück, wenn man sich etwa den von Derek Jacobi geprägten Claudius vergegenwärtigt.

Der Detailrealismus ist Fluch und Segen der ersten Staffel und wird uns sicherlich auch noch in der zweiten begleiten.

Als historisch interessant und lobenswert  kann sicherlich die doppelte Sichtweise bezeichnet werden, die den Zuschauer sowohl in die (vergleichsweise) soziale Froschperspektive von Lucius Vorenus und Titus Pullo, als auch die soziale Vogelperspektive
der bereits in großem Luxus schwelgendem Aristokratie am Ende der Republik entführt (passend und zusätzlich illustrativ hierzu die derzeit in München
stattfindende Ausstellung: Luxus und Dekadenz), der in der Kaiserzeit noch weiter ansteigen wird.

Besonders gelungen zeigt sich weiter die betont religiöse Verankerung des antiken Menschen in eine von strengen Ritualen,  Vorzeichen- und Aberglauben geprägte Umwelt, die nicht zuletzt auch das Handeln wesentlich beeinflusst hatten. Daher stellt die m.E. gelungenste Szene jene dar, in der die von Caesar
verlassene Servilia diesen mittels Fluchtäfelchen verflucht (siehe auch Clip von Amazon).

(youtube vivatilia)

Überhaupt ist Servilia – ein von dieser tiefen und rituellen Religiosität geprägter Charakter, der mit einem Fluch aus dem Leben scheidet.

(Youtube Sharmelli)

Die Szene begeistert nicht allein aus weiblicher Solidarität nach dem Motto „Du dreckige Schüft“ (Youtube Herr Schmirl), sondern zuvorderst durch den gerade hier ausgefeilten Detailrealismus unter genauer Beachtung historischer Vorgaben. Die Verfluchung
mittels Bleitäfelchen ist archäologisch gesichert und wir sehen hier Servilia in genauer Beachtung der Reihenfolge einer der Anrufung der Götter vorausgehenden Votierung von Opfern.
Der besondere Clou dieser Szene erweist sich allerdings erst aus der Endsicht von Caesars Schicksal, das hier nicht – wie heute gesehen – allein aus einer  Verknüpfung politischer Konsequenzen, aus einem Geflecht von Neid, Konkurrenz und Fanatismus zu sehen ist, sondern auch – wie für einen antiken Menschen nicht unvorstellbar – als Ergebnis der
Anrufung des Bösen bzw. der strafenden Rache der Götter. Dies zeigt, dass diese Serie eine
durchaus qualitativ hochwertige historische Betreuung erfahren haben dürfte (Jonathan Stamp war der historische Berater).

Jedoch geht dieser Effekt im überbordenden Realismus von Sex und Gewalt unter, von dem die erste Staffel reichlich zu bieten hatte.
Was zunächst positiv erscheint, weil der antiken Mentalität und Realität näher, als zahlreiche frühere Produktionen in denen beides stets ausgeblendet und nur teilweise angedeutet war, wird durch Übermaß und dramaturgische Einfallslosigkeit schnell zum Ballast. Ein sehr gutes Beispiel bietet etwa der von Octavia  gegenüber Atia vorgetäuschte Orgasmus während eines Gelages.

(Youtube OraRacing)

Diese Szene ist nicht nur unnötig, sondern zudem eine 1:1-Kopie der von Meg Ryan dargebotenen Lokalszene in „Harry und Sally“.

(Youtube LuvHurt666)

Auch der Gladiatorenkampf von Titus Pullo scheint den „Gladiator“ zu zitieren. Das ist schade, denn auf Kosten der Originalität werden nur sichere und publikumswirksame Effekte angesteuert .

Es gibt aber auch durchaus „gelungene“ Gewaltszenen wie etwa Caesars Ermordung, die man in ihrer Bestialität vor Augen geführt bekommt. Malerei und Geschichtsschreibung hatten sie dem Betrachter durch durch heroische Posen entzogen.

(Youtube Wolfshead2)

Noch beeindruckender verbleibt die Szene von Pompeius´ Tod, der in einer caesarisch geprägten Überlieferung und daran orientierten Literatur zumeist auf ein bis zwei Sätzen reduziert wird und zudem noch kühl und sachlich wirkt –  nur ein Fakt, kein Schicksal. Der Serie ist es gelungen, dieses Ereignis der Geschichtswissenschaft aus ihrem Dasein einer historischen Randnotiz zu entreißen und in ihrer ganzen schockierenden Dramatik zu illustrieren.

(Youtube Sharmelli)

Dieser Triumph von effektvollen Sex und Gewalt, die sich immer bestens vermarkten lassen, geht zu Lasten der Historie und der Entwicklungsfähigkeit einzelner Charaktere. So steht dem Zuschauer ein Beziehungsgeflecht von inneren Konflikten, Intrigen und Enttäuschungen gegenüber, dem sich die äußeren politischen Beziehungen regelrecht unterordnen. Dies ist sicherlich auch eine Interpretationsmöglichkeit von Geschichte, ob sie aber auch zutreffend ist, darf hinterfragt werden. Richtiger wird wohl eine in Wechselwirkung stehende Verknüfpung der inneren und äußeren Verhältnisse anzunehmen sein.

Die erste Staffel zeichnet sich durch eine Fülle von erstaunlich starken Frauengestalten  aus, während die Rolle der Männer hingegen deutlich farbloser erscheint. Ciaran Hinds und David Bamber  beispielsweise sind mir aus anderen Rollen als hervorragende Charakterschauspieler bekannt, doch in diesen Rollen scheinen sie nicht aufzugehen. Ciaran Hinds Caesar beispielsweise ist viel zu wenig Machtpolitiker, viel zu sehr Beziehungsmensch,  während David Bambers Cicero gänzlich farblos bleibt. Abgesehen davon, dass man ihn kaum wahrnimmt, fehlt Ciceros brillianter Geist und man sucht und erwartet vergeblich den gewieften Politiker und wortstarken Redner. Dieser Cicero erscheint in der Tradition eines Theodor Mommsen, der in ihm nur einen nichtssagenden und überschätzten Politiker sah, was sicherlich nicht zutreffend sein dürfte.

Gleichfalls blass blieb bisher auch James Purefoy als Marcus Antonius. Die im Trailer zur zweiten Staffel angekündigte Charakterisierung und Reduzierung von Marcus Antonius als einen Mann, der nichts anderes als „Spass“ haben wollte, ist gleichfalls kritisch zu werten, da das Bild des sexsüchtigen und unnützen Trunkenboldes das Ergebnis erinnerungsvernichtender, augusteischer Geschichtsüberlieferung ist. Es bleibt daher auch aus historischer Sicht durchaus interessant, ob die zweite Staffel in dieser Weise platt und effektheischend bleibt, oder es gelingt, dieser wichtigen Gestalt am Ende der römischen Republik mehr Leben zu verleihen.

Beste Gestalt ist bisher m.E. Max Pirkis als junger Augustus (diesen Begriff zu allgemeinerenVerständlichkeit, entgegen historischer Korrektheit). In bester Manier mimt er nicht nur, sondern verkörpert einen jungen Mann, der – von erwachsenen Männern als unschuldiges Jüngelchen unterschätzt – bereits im frühen Stadium einen kalt und strategisch denkenden Politiker und auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckenden Machtmenschen erkennen lässt. Ob er dies weiter durchhält interessiert mich.

Es darf also mit Spannung erwartet werden, wie man dieses Mal den Parcours zwischen historischem Doku-Drama und antiker Soap bewältigt hat.

Die Römer waren ein Volk, das Geschichten, Gerüchte, Klatsch und Tratsch liebte, die am Forum durch politische Affären und Skandale des (sich entwickelnden) Kaiserhauses belebt wurden. Von dieser römischen Liebe zur Unterhaltung hat die zweite Staffel sicherlich wieder viel zu bieten.

Andrea Schütze lupa-romana.de

Weitere Links zum Thema:

RTL2 (Bildergalerie zur ersten Staffel)

RTL2 (Kurzbeschreibung der ersten Staffel)

RTL2 (Trailer zur zweiten Staffel, deutsch)

Amazon (Trailer zur ersten Staffel, deutsch)

HBO (mit sehr viel Hintergrundinfos zur zweiten Staffel)

Hohe Authentizitätswahrscheinlichkeit für die Knochen des Apostels Paulus Juni 29, 2009

Posted by andrea schuetze in Archäologie, Kirchengeschichte.
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München, 29.06.2009 von Andrea Schütze

Zum Abschluss des Paulus-Jahres am 28.Juni 2009 hat Papst Benedikt XVI. im Rahmen des Abschlussgottesdienstes die Echtheit der Paulusknochen bestätigt – möglicherweise eine archäologische Sensation.

Es handelt sich hier um Gebeine die 2006 im Rahmen von Grabungsarbeiten (2002-2006) in einem römischen Sarkophag unter dem Hauptaltar der Kirche St. Paul vor den Mauern (San Paolo fuori le Mura / Sancti Pauli extra muros) aufgefunden wurden. Der Apostel Paulus soll hier 67 n. Chr. vor den Stadtmauern Roms enthauptet worden sein.

St. Paul vor den Mauern (Quelle: Wikipedia)

St. Paul vor den Mauern (Quelle: Wikipedia)

Anlass für die Grabungen hatte – laut FAZ – die von den Gläubigen gezeigte Enttäuschung über die fehlende Sichtbarkeit bzw. Zugänglichkeit des Sarkophages geboten. Die Krypta war seit 500 Jahren für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Hinter der Marmorabdeckung befindet sich der Sarkophag von Paulus

Hinter der Marmorabdeckung befindet sich der Sarkophag von Paulus

Die Untersuchungen zum Inhalt des Sarkophags, der durch ein kleines Bohrloch und eine Spezialsonde untersucht wurde, ergaben Reste eines purpurnen Leinenstoffes mit Goldplättchen, sowie ein blaues Gewebe mit Leinenfäden und neben rotem Weihrauch auch kalk- und eiweishaltige Substanzen. Zusätzlich wurden winzige Knochenreste nach der C14-Methode auf ihr Alter hin untersucht. Danach soll die zugehörige Person zwischen dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Der betreffende Sarkophag  stammt allerdings aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Die Kirche St. Paul vor den Mauern wurde nach dem Liber Pontificalis von Konstantin d. Großen zu Ehren des heiligen Apostels errichtet (Lib.Pont. XXXIIII,21:“Eodem tempore fecit Augustus Constantinus basilicam beato Paulo apostolo ex suggestione Siluestri episcopi, cuius corpus ita recondit in aere et conclusit sicut beati Petri”). Gemäß christlicher Überlieferung wurden Schädelfragmente des Paulus allerdings in der Lateranbasilika beigesetzt.
Nach Aussage des Papstes ist nach den Untersuchungsergebnissen die Identifizierung des Paulus zweifelsfrei gegeben. Zweifelsfrei dürfte der Fund sicherlich für den Gläubigen Christen sein, der sich aber ohnehin nie im Zweifel über die Echtheit befunden haben dürfte. Nach wissenschaftlicher Sicht dürfte es sich, wenn nicht um einen zweifelsfreien, so doch um ein Fund mit Wahrscheinlichkeit zu hoher Authentizität handeln.

Andrea Schütze lupa-romana.de
Weitere Links:
Meldung der CNA 06.Dez.2006
Meldung Spiegel-Onine 08.12.2006 (“Der Hype um den Paulus-Sarkophag)
Meldung Welt-Online 28.06.2007 (“Die letzte Spur des Apostels Paulus”)
Meldung Spiegel-Online 28.06.2009 (“Knochenreste im Grab des Apostel Paulus entdeckt”)
Meldung B5 Aktuell 29.06.2009
Welt-Online 20.06.2009
FAZ 29.06.2009
Bericht im Osservatore Romano Ausgabe 27/2009
Spiegel-Online (zu den christlichen Archäologen)

ZDF Angst im Nacken – Keine Macht den Mobbern! Juni 27, 2009

Posted by andrea schuetze in Aufreger.
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Andrea Schütze, 27.06.2009

Wie aus einem Opfer Satans jüngste Tochter wird

Wie aus einem Mobbing-Opfer Satans jüngste Tochter wird

Heute Vormittag lief im ZDF eine Sendung mit dem schönen Titel “Angst im Nacken” – kein spannender Psychothriller, sondern grausame und alltägliche Realität im Lande. Gegenstand war ein kleines Mädchen, das in der Schule von Mitschülern gemobbt wurde und daher Angst vor der Schule hatte. Dieser Dauerstresszustand äußerte sich auch in psychosomatischen Erscheinungen wie Hautausschlägen und Magenschmerzen.

Der geschilderte Fall schien noch relativ milde zu verlaufen, als das Mädchen weder körperliche, noch verbale Gewalt erlebte und sogar in Leidensgenossen Freunde gefunden hatte. Aufgrund ihrer Sensibilität war sie aber gezwungen einen Kinderpsychologen aufzusuchen, um ihre Angst, die sie ständig begleitete, wenn sie zur Schule gehen mußte und die Schulpausen zu überstehen hatte, in den Griff zu bekommen.

Vor Mobbing kann man nicht die Augen verschliessen, denn jeder hat in irgendeiner Form Mobbing schon erlebt, sei es als Opfer, sei es als Zuschauer, sei es als Täter.
Vor Mobbing darf man auch die Augen nicht verschließen, denn die mittlerweile schon wissenschaftlich belegten Folgen, die
Mobbing im physischen und psychischen Bereich zeitigen kann, sind nicht in den Bereich der Harmlosigkeiten, sondern schweren bis schwersten Schädigungen zu kategorisieren, so dass Mobber durchaus als “Täter” bezeichnet werden dürfen. Dies erst Recht in jenen Fällen, wo die Grenze zum neckischen Scherz überschritten wird und dem Opfer körperliche oder verbale bzw. seelische Gewalt zugefügt wird.

Zwei weitere Umstände erschweren dem Opfer die Situation: Viele Mobbing-Opfer sind durch äußere Einflüsse in ihrer Situationen gefangen, wie etwa die Abhängigkeit vom Arbeitsplatz, der heute nicht so frei wählbar ist, oder – noch schlimmer – durch die Schulpflicht. Was für viele als holde Schulzeit verklärt wird, kann in der Realität für Betroffene zur teils unerträglichen Leidenszeit werden, die sich ganz unterschiedlich ventiliert. Aus meiner Schulzeit sind mir zwei Betroffene bekannt, von denen sich der eine regelrecht schlagen ließ, während der andere mit Schirmen und Schulstühlen zuschlug und nur mit Mühe Schlimmeres verhindert werden konnte. Keiner dieser Leute war das, was man im allgemeinen Sprachgebrauch oft unüberlegt als “verrückt” bezeichnet. Jeder von ihnen war, für sich betrachtet, ein patenter Kerl, jedoch zu sensibel, so dass er Ungerechtigkeit nicht verarbeiten konnte.

Im Zusammenhang mit Mobbing lassen sich mit Blick auf die Umwelt jedoch interessante Beobachtungen machen. Die Umwelt nimmt Mobbing, wie alle anderen Formen von Gewalt durchaus wahr und sie reagiert, jedoch regelmässig nicht im Sinne des Mobbing-Opfers. In der Regel findet eine Solidarisierung mit dem Täter statt, sei es passiv etwa durch Wegsehen, Ignorieren oder Beschuldigung des Opfers. Die andere Form ist aktiver Art, entweder durch Anschluss an den Täter und Aufstieg zum Mobber oder durch Anfeuern dieser Situation. In wirklich den seltensten Fällen erlebt das Mobbing-Opfer Schutz oder Hilfe vor den Tätern. Hier besteht ein enormes soziales und rechtliches Aufarbeitungsfeld.

Wie im Einstiegsfall angesprochen wird das Opfer in psychologische Behandlung verwiesen. Sicherlich mag qualifizierte Hilfe einem Opfer sehr entgegenkommen, doch wird dies – wiederum eine Fehlleistung der Gesellschaft – dem Opfer leicht zum Stigma, wenn es diese Behandlung zulässt. So hatte auch das Kind seine Behandlung verheimlicht und nur die intimsten Freunde darin eingeweiht. Warum? Warum muss ein Opfer verschweigen, dass es von einem Täter so geschädigt wurde, dass es der Behandlung bedarf? Ist das nicht ein weiteres Zerstörungselement an der Opferseele?
Weiter kann man in derartigen Fällen fast nie erleben, dass dem betreffenden Mobber Einhalt geboten wird. Er erlebt Anonymität, er erlebt regelmäßig keine Konsequenzen, obwohl es hier Handlungsmöglichkeiten gäbe, so dass er sich regelmässig in seiner Mobber-Karriere weiterentwickeln kann. In anderen Gewalttatdelikten wäre dies weniger verständlich. Wer ließe einen Vergewaltiger, Körperverletzer, Totschläger oder Mörder ungestraft laufen und würde dem Opfer anraten, entweder sich einzusperren oder zu verschwinden? Niemand, der sich als Mitglied eines Rechtsstaates sieht.

Das Problem liegt hier wirklich noch in der breiten Erkenntnis dessen was Mobbing ist – eine der grausamsten Begehungsformen von Gewalt. Mobbing sollte nicht, sonder muß bereits in seinen Frühformen im Keim erstickt werden, so dass Mobber-Karrieren überhaupt nicht möglich sind.

Als illustrativen Abschluss möchte ich auf die Brian de Palma-Verfilmung von  Stephen-Kings ersten Roman (mit einer tollen Sissy Spacek) hinweisen, die mich als ich sie als frühe Jugendliche zum ersten Mal sah, zutiefst bewegt hatte, nicht wegen des “Horrors” der telekinetischen Kräfte, sondern wegen der Falscheinschätzung und Falschbetitelung des Opfers: Carrie ist das Opfer schlimmsten Mobbings und im englischen Original heissen Film und Buch “nur” Carrie. Als der Film allerdings ins Deutsche synchonisiert wurde erhielt das Mobbing-Opfer den neuen Titel “Carrie – Des Satans jüngste Tochter”…

Andrea Schütze, lupa-romana.de

Weitere Links zum Thema:

Hier der Blog Mobbing-Gegner

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